2026-02-27
1
Erneut wurden Odettes Sinne für einen Herzschlag übermannt. Doch auch so vernahm sie dank ihrer Pfotenfüße die Erschütterung der Erde unter ihr. Zuerst rollte hinter ihrer Anspannung der Gedanke, dass dies nur der Einschlag eines Schusses von den Kanonen, von den Turmfiguren auf diesem grünen Schachbrett, sein konnten. Schon gleich verriet aber die kräftiger werdende Beständigkeit dieser Erschütterungen, dass es in Wahrheit sich um die schweren Schritte der Riesen handelte, die in Odettes Kopf wenig überraschend von der Schachfigur des Riesens vertreten wurden. Tatsächlich rannten die gut vier toise großen Ungetüme wie die aus Holz geschnitzten ebenfalls schräg über das Schlachtfeld. Einer der Riesenkletten hatte der jungen Wehrsoldatin den Grund dafür verraten: Indem die Riesen nicht schnurstracks, sondern schräg hin und her rannten, fiel es dem Feind schwerer zu sagen, wo genau die Riesen hineinrennen würden. Dies wurde ihn umso mehr in seiner Furcht schmoren lassen.
2
Dies konnte Odette nur zu gut nachvollziehen, denn auch sie schmorte ein bisschen. Und so närrisch es war, mit dem Laden innezuhalten, während sich zwei Linien gegenseitig mit Kugelsalven überschütteten, so konnte sie nicht anders, als ihren Kopf nach link zu renken, als die Riesen an ihren Linien vorbeistampften. Auch einen Riesen hatte sie vor ihrer Wehrpflicht bereits gesehen, denn zwischen den Nachbardörfern ihres Heimatstädtchen wanderte solch einer mit seinem Hüter immer dorthin, wo riesige Hände gefragt waren. Den Compteur nannte man ihn, weil er immer das zählte, was er für die Menschen trug oder tat. Seien es die frisch gefällten Baumstämme für das Sägewerk, die schweren Steine für den Steinmetz oder die Runden, die er um die Riesenmühle zog, wenn der Wind nicht so recht wollte. Aber nur bis zwanzig. Dann fing er von vorne an, denn weiter konnte er nicht zählen. Oft kam er, seinem Hüter folgend, auch in Odettes Stadt, sodass sie ehrfürchtig seine große Gestalt ansehen konnte. Sowie darüber staunen, wie er mit wuchtigem Schritt seinen massigen Leib voran bewegte. Jener war durchaus fett, in dem Sinne, dass gewaltige Fettpolster am Leib herabhingen und so diesem eine aufgedunsenen Wölbung gaben. Kein schöner Anblick, vor allem da der Riese immer nackt gewesen war. Doch Compteur war hingegen nicht fett in dem Sinne gewesen, dass er mit sich selbst kämpfen musste. Wie der eine Geschäftsmann, der Vater aufsuchte, um etwas von seinen Stoffen zu erwerben. Dieser war der dickste Mann gewesen, denn die kleine Odette je zuvor gesehen hatte. Mit jedem Schritt musst er sich sichtlich vorankämpfen, beschwert von seinem Fett. Aber nicht so Compteur. Sein Fett hing zwar auch herab, doch es beschwerte ihn nicht. Stattdessen erzitterte es bei jedem Schritt, durchgeschüttelt von den gewaltigen Muskeln darunter, welche das Fett stemmten.
3
Somit kannte die junge Wehrsoldatin die ungeheure Kraft, die in den Leibern der Riesen steckte, schon, bevor sie ins Heerlager kam. Was sie allerdings da noch nicht ahnte, war, dass Compteur nicht so langsam umherstampfte – wobei zur Erheiterung aller Kinder sein bestes Stück umherpendelte –, weil er träge war. Sondern weil ihn keine Eile antrieb. Deshalb hatte sie etwas einfältig einen der Riesenkletten gefragt, warum die Kriegsriesen nur eine grobe Rüstung aus Leder trugen und nicht eine aus Eisen. Worauf sie von der Eichhornfrau mit dem rotbraunen Fell ungläubig angeguckt wurde, bevor sie in schallendes Gelächter ausbrach. Nachdem sie ihren Atem wieder eingefangen hatte, fragte sie die Wolfsfrau, wer denn bitte einem Riesen eine Rüstung schmieden sollte. Und vor allem wer ihn diese anlegen sollte. Denn alleine würde sie die nie anbekommen. Zumal eine Schicht Leder zusammen mit der dicken Haut darunter ausreichte, um das Fleisch vor Musketenkugeln zu schützen. Und eine Kanonenkugel konnte einen rennenden Riesen nur schwer treffen, vor allem wenn er eben nicht mit Stahl behängt wurde. „Ein rennender Riese?“, hatte Odette ungläubig geechot, denn sie glaubte, Riesen wären zu schwer, um rennen zu können. Doch in Wahrheit, wie die Riesenklette es ihr verriet, würden zivile Riesen von klein auf dazu erzogen, niemals ohne Not zu rennen, höchsten rasch zu schreiten, denn dies war ungefährlicher. Doch Kriegsriesen bekamen solch eine Hemmung nicht auferlegt.
4
Wie bei ihrer ersten Schlacht konnte sie nicht anders, als hoch zu starren, als die Riesen in einer Reihe zwischen den beiden Allianz-Linien stampften, genau durch die Lücke, die man für diesen Zweck offengelassen hatte. Gerade weil um sie herum die Schlacht so laut tobte, fiel umso mehr auf, wie still die Riesen waren. Kein Gebrüll, nur starker, schwerer Atem, der aus ihren Mäulern mit den sich öffnenden Wangenkiefern hinein- und wieder herausgeblasen wurde. Die Riesenhäupter wippten über Odette und ihren Kameraden gleichmäßig auf und ab wie die von Reitern beim Galopp, während auf ihren Schultern und an ihren Rücken sich ihre Hüter, die Riesenkletten, an einem Seilgestrüpp, der Takelage, festhielten und Befehle brüllten. Sechs Riesen umfasste diese Gruppe und sobald sie die verbündeten Linien passiert hatten, rannten sie auf die beiden feindlichen Formationen zu. Und dann hinein. Denn auch eine Waffe brauchte ein Riesen nicht. Seine zehenlose Stumpffüße, so dick wie Baumstämme, schlugen die kemetischen Soldaten um und in die Luft wie die Füße von Odettes kleinen Geschwistern, wenn diese unachtsam durch ihre Zinnsoldaten rannten. Die Riesen hielten nicht an, sondern stampften einfach weiter. Die kemetischen Linien waren nicht ihr Ziel gewesen, sondern nur ein Hindernis, das es zu übertreten galt.
5
Die durchtretenden Linien löste sich in blinder Panik aus und gaben den Beschuss auf. Siegesmut entfaltete sich in Odettes Brust, brach die Starre der Todesgewissheit. Vielleicht gewannen sie wahrhaftig diese Schlacht. Vertrieben die Kemeten, auf dass ein neuer Morgen aufbrach.
6
Doch da fiel ein Schatten auf sie und ihre Kameraden. Ein Schatten, der den neuen Morgen in der Dunkelheit des gewissen Endes ertrinken ließ. Alle Hoffnung in Odettes Seele wurde verweht, als ein furchtbares Gebrüll über das Schlachtfeld knallte. So laut und gewaltig, dass es alle anderen Geräusche verschlang, alle Gehöre für sich nahm. So stark und unnachgiebig, dass es das orangene Laub des Waldes erzittern sowie schreckabfallen ließ und sogar den Pulverdampf in der Luft wegdrängte. Und auch so tief und scharf, dass die Schlacht den Atem anhielt und jeder Mensch, jedes Pferd, jeder Deng, jede Echse sowie jeder Riese erstarrten und ihre Köpfe zum Himmel reckten.
7
„Nein, nein, das darf nicht sein!“, hörte Odette den blonden Echsenmann neben sich keuchen. „Man sagte doch, sie würde die Hauptstreitmacht angreifen! Nicht uns!“ Der Unglauben überfiel ihn nicht allein. Viele äußerten sich fassungslos, während ihre Augen hoch zum Himmel starrten, wo zwischen den grauen Herbstwolken sie sich hindurchschlängelte. Mit ihrem langen, grün geschuppten Leib, den gewaltigen, goldig leuchtenden, vom Kopf bis zur Schwanzspitze reichenden Rückensegel sowie den mit roten Federn geschmückten Kopf. Diese Kreatur mutete genauso an wie die Zeichnung auf dem Flugblatt, welche man unter den Soldaten verteilt hatte. Somit gab es für Odette keinen rettenden Zweifel: Dies war einer der Drachen der Kemeten. Eine der Gefiederten Schlangen.
Der nächste Teil der Geschichte wird am 13. März 2026 veröffentlicht.
Admin - 09:59:36 @ Erzählung, Historische Stücke | 32 Kommentare
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